berufliche Stationen

Gutachten für Anleitungen 

Jeder, der von Berufs wegen Anleitungen schreibt, wird sich eines Tages fragen: Was wird aus meiner Anleitung, wenn sie im Schadensfall einem Gutachter in die Hände fällt? Die Unsicherheit ist verständlich, weil Erfahrungsberichte über Gutachten bislang nicht veröffentlicht wurden. Dieser Beitrag möchte beunruhigte Technik-Redakteure informieren. Wer die Spielregeln kennt, schreibt und gestaltet seine Anleitungen von vornherein krisenfest.
Die sachverständige Begutachtung von Anleitungen im Auftrag industrieller Hersteller gliedert sich in folgende Phasen:
    • Die Anleitung vorprüfen
    • Den Gutachten-Vertrag gestalten
    • Normen recherchieren
    • Die Anleitung mit Norm-Forderungen abgleichen
    • Das Gutachten verfassen
    • Das Gutachten-Projekt verwalten



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Die Anleitung vorprüfen

Der Auftraggeber reicht die zu untersuchende Anleitung mit seiner Begutachtungsanfrage ein. Gutachter werden nun prüfen, ob und unter welchen Umständen die Anleitung überhaupt prüfbar ist. Nehmen wir einmal an, es handele sich um eine textlose Bild-Anleitung. Diese ist nach der Anleitungs-Grundnorm DIN EN 62079 nicht prüfbar, weil die Norm ein Minimum an Text voraussetzt. Also wäre diese Anleitung nur durch Anwendertests prüfbar. Das setzt ein Prüfinstitut mit aufwändigem Testlabor voraus. Falls die sehr hohen Labor-Kosten für den Auftraggeber undiskutabel sind, endet der Begutachtungsprozess bereits an diesem Punkt.

„Normale“ Text/Bild-Anleitungen sind nach DIN EN 62079 prüfbar. Hier müssen Gutachter untersuchen, welche Produkt- und Verfahrensnormen und andere Vorschriften mitgelten. Daraus ergibt sich der Recherche-Aufwand, der in Stunden zu schätzen ist. Dazu kommen die Stunden für das Prüfen der Anleitung und das Verfassen des Gutachtens. Multipliziert mit dem Stundensatz, ergibt sich daraus der Angebotspreis, evtl. ergänzt um den Preis anzuschaffender Normblätter.

Den Gutachten-Vertrag gestalten

Gutachter geben nun einen Kostenvoranschlag an den Auftraggeber heraus. Darin sind neben dem Angebotspreis die Konditionen, wie Leistungsumfang und Zahlungsbedingungen, enthalten, die den Rahmenvertrag zwischen Auftraggeber und Gutachter projektbezogen spezifizieren. Wenn der Auftraggeber bestellt, gibt der Gutachter eine Auftragsbestätigung zurück.

Vertragsvordruck unter Gut8en.pdf; 250 KB

 Normen recherchieren

Als erstes werden Gutachter untersuchen, welche Gesetze, Richtlinien und Normen im Einzelnen anwendbar sind, und diese auflisten, weil sie sie im Gutachten ausweisen müssen. Dann werden sie die Regelwerke lesen und entscheiden, welche Forderungen auf die zu prüfende Anleitung zutreffen. Daraus wiederum folgt, welche Regelwerke anzuschaffen sind und aus welchen nur kurze Exzerpte anzufertigen sind. Als Quelle dienen die eigenen Bordmittel, das WWW und Bibliotheken, vor allem die DIN/Beuth-Bibliothek in Berlin.

Die Anleitung mit Norm-Forderungen abgleichen

Manche Normen bieten fertige Checklisten an, die man (ggf. modifizieren,) kopieren und ausfüllen kann. Aus anderen Normen muss man sich sinngemäß die Checklisten selbst extrahieren.

Nun gilt es, die Anleitung mit jeder einzelnen Forderung abzugleichen und den Befund Punkt für Punkt zu protokollieren. Bei nicht erfüllten Forderungen sind erweiterte Notizen und Kommentare erforderlich. Hier findet der Auftraggeber dann im Gutachten die wichtigsten Hinweise, wie seine Anleitungen künftig von vornherein gute Noten erzielen können.

Das Gutachten verfassen

Alle während der Begutachtung aufgelaufenen Checklisten-Einträge, Notizen und Kommentare fließen nun in das Gutachten ein. Die Form des Gutachtens richtet sich nach den Gepflogenheiten von IHK-Sachverständigen und Normen für Prüflaboratorien. Das fertige Gutachten geht an den Auftraggeber, der die Annahme bestätigt. Eine Erörterung der Ergebnisse wird sich anschließen.

Das Gutachten-Projekt verwalten

Wie bei anderen Auftragsprojekten auch, ist bei Lieferung die Leistung in Rechnung zu stellen und der Zahlungseingang zu überwachen. Die gesammelten Daten und erzeugten Dateien sind zu archivieren und sicher zu verwahren. Vor externem Zugriff auf CD geschützt, dient die Dokumentation dem Gutachter als interne Erfahrungsquelle für künftige Gutachten-Projekte.

Gerichts-Gutachten

Die Industrie- und Handelskammer hat Dipl.-Ing. Dipl.-Betrw. Wolfram W. Pichler am 2004-05-04 zum Sachverständigen öffentlich bestellt und vereidigt. Jüngst wurde die Bestellung verlängert bis 2018.

IHK-Urkunde unter IHK_Urkunde.pdf, 26 KB

Ihr Instruktionsfehler-Finder Pichler

© 2004 pichler Berlin, zuletzt geändert 2013-04-10